Schwelbrand erfordert Ausrufung des Katastrophenalarms

Schwelbrand erfordert Ausrufung des Katastrophenalarms

 

Datum: 12. Dezember 1980
Alarmzeit:
9.48 Uhr
Einsatzort: Simbach, Adolf-Kolping-Straße

Eingesetzte Feuerwehren:
FF Simbach, FF Braunau, FF Eggenfelden, FF Pfarrkirchen und viele weitere


Einsatzbericht:
Der Brand von Kunstdünger im Lagerhaus der Firma Oberlechner und sich dadurch ausbreitender giftiger Rauch waren die Gründe dafür, dass am 12. Dezember 1980 in der Stadt Simbach für mehrere Stunden der Katastrophenalarm ausgerufen wurde.

Der Einsatz begann für uns bereits um kurz vor 10 Uhr morgens, als wir darüber informiert wurden, dass im Lagerhaus der Firma Oberlechner, in dem laut Auskunft des Besitzers circa 400 Tonnen des Kunstdüngers Nitrophoska rot lose gelagert waren, ein Schwelbrand ausgebrochen ist. Nach unserem Eintreffen an der Schadensstelle in der Adolf-Kolping-Straße versuchten wir unter Atemschutz die Brandursache festzustellen. Diesen Versuch mussten wir jedoch aufgrund der starken Rauchentwicklung und der dadurch entstehenden schlechten Sicht abbrechen. Deshalb ließen wir zu unserer Unterstützung die Kameraden aus dem benachbarten Braunau mit ihrer Drehleiter und Atemschutzgeräteträgern nachalarmieren.

Als nächstes probierten wir, den Kunstdünger über Förderbänder ins Freie zu befördern, was aber misslang, da der Dünger im Silo durch den Brand bereits verklumpt war. Daraufhin entschied man sich, zusätzlich zur Drehleiter aus Braunau die der Feuerwehren Pfarrkirchen und Eggenfelden an die Einsatzstelle zu beordern, um die Dachhaut des Gebäudes öffnen und die Brandbekämpfung von dort durchführen zu können. Jedoch gelang auch dies nicht, da die Rauchentwicklung immer weiter zunahm. Aus diesem Grund wurden die umliegenden Bewohner gewarnt und aufgerufen, ihre Fenster und Türen zu schließen.
Die Brandbekämpfung konnte somit nur über bereits geöffnete Dachluken erfolgen. Um hier einen Löscherfolg erzielen zu können, waren jedoch immense Mengen an Löschwasser nötig, welche unter anderem vom kleinen Inn und von mehreren Hydranten im Stadtgebiet über Löschwasserleitungen zum Brandort befördert wurden. Hierzu war aber im Vorfeld die Alarmierung weiterer Feuerwehren notwendig.

Da sich die Lage zunehmend verschlechterte, beschloss im Führungsstab um 12.00 Uhr den Katastrophenalarm für die Stadt Simbach auszurufen. Außerdem wurden der Grenzübergang und zahlreiche Straßen östlich des Schadensobjekts gesperrt und die Bewohner dieser Straßenzüge evakuiert. Für die evakuierten Personen wurde durch das Rote Kreuz in einer Turnhalle im Schulzentrum ein Notlager eingerichtet. In diesem trafen ab 14.00 Uhr auch die ersten Personen ein. Die Kräfte des Rettungsdienstes waren aber nicht nur im Notlager gefordert, sondern sie befanden sich zur Absicherung der Einsatzkräfte auch am Schadensort selbst. Außerdem wurde das Simbacher Kreiskrankenhaus kurz nach Ausrufen des Katastrophenalarms über die aktuellen Entwicklungen informiert. Im Krankenhaus wurden auch zahlreiche Medikamente bereitgehalten wurden, um zügig reagieren zu können, falls es durch den giftigen Brandrauch bei den Einsatzkräften zu Atembeschwerden kommen würde.

Aufgrund der weiterhin dramatischen Entwicklung wurden gegen 13.40 Uhr weitere Feuerwehren mit Atemschutz alarmiert und es wurde sogar überlegt, zwischen der alten B12 und dem Grenzfluss Inn eine großflächige Evakuierung durchzuführen. Auch eine Evakuierung der Ortschaft Prienbach stand bereits im Raum. Zudem wurden die Gemeinde Ering und die Stadtgemeinde Braunau über das Geschehen informiert.

Kurz vor 14.00 Uhr traf ein Bagger an der Einsatzstelle ein. Dieser hatte die Aufgabe, die Dachhaut zu öffnen, um einen größeren Löscherfolg erzielen zu können. Der Baggerfahrer selbst konnte jedoch aufgrund der immer noch großen Rauchentwicklung nur unter Atemschutz arbeiten.

Glücklicherweise drehte sich gegen 15.00 Uhr der Wind und der giftige Brandrauch trieb in unbewohntes Gebiet ab. Dies sorgte nicht nur an der Einsatzstelle in der Adolf-Kolping-Straße für große Erleichterung, sondern auch bei zahlreichen Bewohnern der Stadt, da diesen so eine Evakuierung erspart werden konnte. Außerdem wurden die gesperrten Straßen und der Grenzübergang wieder für den Verkehr freigegeben werden, weshalb auch die evakuierten Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren konnten. Auch der Katastrophenalarm konnte drei Stunden nach Ausrufen wieder aufgehoben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren insgesamt 300 Kräfte im Einsatz. Die Bundeswehr und die Bereitschaftspolizei waren ebenfalls abrufbereit und hätten innerhalb kurzer Zeit die Einsatzkräfte vor Ort unterstützen können.

Nachdem der Bagger auch die Gebäudewand eingerissen hatte und so der Kunstdünger aus dem Silo befördert wurde, stellte sich die Frage der Entsorgung. Die Lösung hierfür war eine Sondermülldeponie, wo man das Brandgut bis zwei Uhr morgens abtransportierte.

Am 13. Dezember um 12.30 wurde die Brandwache an der Einsatzstelle eingestellt und wir rückten wieder ins Gerätehaus ein. Somit konnten wir den Einsatz mehr als 24 Stunden nach der Alarmierung beenden.

 

Hier einige Impressionen vom Einsatz: